Ist Naturschutz nur ein Thema für Wald und Flussläufe? Oder müssen Natur- und Artenschutz nicht auch im urbanen Umfeld mitgedacht werden?

 

Bericht zur Sitzung des Bau- und Planungsausschusses Donaustauf am 15.03.2022

 

An der Sitzung nahmen teil: Wolfgang Weigert (Ausschussvorsitzender) und die Ausschussmitglieder Christian Blüml, Florian Eckert, Josef Scheck, Martin Sendlbeck, Martha Glück, Günter Tischler, Erwin Ostermeier sowie als Schriftführer Fabian Feldmeier, Verwaltungsangestellter im Bauamt.

Eines vorab: die Donaupost veröffentlichte am 17.03.2022 einen sehr treffenden Artikel zu dieser Sitzung, weswegen wir den Artikel hier auch verlinken. Besten Dank, dass wir hierfür die Zustimmung erhalten haben.

Donaustauf ist seit wenigen Wochen um eine grüne Oase ärmer. Ein langgezogenes Grundstück in der Ludwigstraße, 2.750 qm, wurde vom damaligen Eigentümer jahrzehntelang liebevoll als naturnaher Garten gehegt und gepflegt. Ein Garten von besonderem ökologischen Wert, mit vielfältigem Baumbestand, zum Teil bis zu 100 Jahre alt, ein Biotop für Flora und Fauna, inmitten der Ortschaft.

Jetzt, wohl mit der Übertragung des Grundstückes an die nächste Generation, erfolgte, immerhin unter Beachtung der Vogelbrutzeit, der nahezu restlose Kahlschlag.

Nun ist es natürlich so: Wer Baugrundstücke besitzt, hat freilich das Recht, im Rahmen des Baurechtes darauf Häuser zu errichten. Da das Grundstück als Garten klassifiziert ist, spielt der Naturschutz bei der Frage der Fällung von Bäumen keine Rolle, so argumentiert das Baurecht, ebenso wie das Landratsamt.

Dennoch bereitet ein Fall wie dieser Bauchschmerzen.

Bei dem genannten Fall handelt es sich um eine Bauvoranfrage betreffend drei Doppelhäuser und einem Einfamilienhaus in diesem ehemaligen Idyll. Der Antrag war bereits in der Januarsitzung behandelt und zurückgestellt worden, weil sich die geplanten Neubauten hinsichtlich der Höhen nicht in den Bestand eingefügt hatten. In der neuen Bauvoranfrage wurde der Kniestock soweit abgesenkt, dass die Gebäude auf zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss kommen.
„Baurechtlich spricht nichts gegen den Antrag“, so das Fazit des Ausschussvorsitzenden Wolfgang Weigert.

Aus eben diesem Grund stimmte auch Florian Eckert dem Antrag zu. Doch es war ihm ein Anliegen, darauf hinzuweisen, wie ökologisch blind das geltende Baurecht sei, wie es den elementaren Interessen des Naturschutzes im Wege stehe, wie absurd es sei, einerseits Blühwiesen anzulegen und andererseits ein solch intaktes Ökosystem auszuradieren. Bäume, wie sie hier gefällt wurden, würden nie mehr irgendwo in Donaustauf nachwachsen.

Sein Anliegen zielt darauf, dass es auf Landes- und Bundesebene dringend erforderlich sei, das Baurecht nachzubessern. In diesem Sinne appellierte er an die Anwesenden, sich für ein anderes Baurecht stark zu machen. Auch um dem Grundgedanken des sogenannten bayerischen „Versöhnungsgesetzes“ gerecht zu werden, das aus dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hervorging.

Als „tollen Kompromiss“ hingegen lobte Martin Sendlbeck das Bauvorhaben, „es hätte alles schlimmer werden können.“ Aus seiner Sicht habe der Naturschutz an der Donau und im Wald seine Berechtigung, sei aber innerhalb eines Ortes „nachrangig“. Dort seien Wohnungsbau und Nachverdichtung die maßgeblichen Themen. Für Josef Scheck sind alte Bäume im Wohngebiet generell risikobehaftet und hätten in einem Ort nichts verloren.

Als Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz und Naturschützerin bedauerte Martha Glück es zutiefst, dass es hier keine Handhabe gibt. Ihr war es eine Herzensangelegenheit, mit ihrer Gegenstimme ein Zeichen zu setzen.
So wurde die Vorantrage letztlich mit einer Gegenstimme genehmigt.

Allen weiteren Anträgen der Tagesordnung wurde einstimmig und meist ohne Einschränkungen zugestimmt.
Der öffentliche Teil der Sitzung endete mit der offiziellen Verabschiedung von Fabian Feldmeier, der seine Tätigkeit als stellvertretender Bauamtsleiter in der Verwaltung von Donaustauf zum 1. April niederlegt und sich neuen Herausforderungen in der Bezirksregierung in Landshut stellt. Wolfgang Weigert bedauerte dessen Fortgang und verabschiedet ihn mit Glückwünschen und einer Aufmerksamkeit.

 

Dies ist ein Bericht aus dem Bau- und Planungsausschuss Donaustauf. Er wurde verfasst von Sigrid Blodau und Florian Eckert.